Stadtarchiv Flensburg

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Tektonik: NV Neues Verwaltungsarchiv
. VI Bauverwaltung
..Bestand: VI E - Friedhofsverwaltung/ Umwelt- und Grünamt


Vorwort: DER BESTAND "FRIEDHOFSVERWALTUNG/ UMWELT- UND GRÜNAMT

Der Stadtarchivbestand "Friedhofsverwaltung/ Umwelt- und Grünamt" (Stand 2007) umfaßt bisher 514 Verzeichnungseinheiten (letztverzeichnete laufende Nummer: 502), von denen 6 mehrbändig sind, und erstreckt sich über den Zeitraum von 1811 bis 2000. Bei den Verzeichnungseinheiten ohne Datumsangaben handelt es sich zumeist um Begräbnisverzeichnisse u.ä.
Während die früheren Akten hauptsächlich Friedhofsangelegenheiten aller Art beinhalten, sind die Themen der neueren Akten auch von landschaftspflegerischen und Umweltaspekten im Rahmen von Bautätigkeiten im Stadtgebiet geprägtsowie in den 80ern und 90ern nicht selten ökologischer, umweltpolitischer Natur. Sie enthalten vor allem Stellungnahmen des Umwelt- und Grünamtes zu Bauvorhaben. (Vgl. dazu auch die übrigen Teile des Bestandes VI - Bauverwaltung) Ein Großteil dieser Akten enthält auch Materialien zu Pflege und Erhaltung der städtischen Grünanlagen (Stadtpark, Volkspark etc.), ebenso Unterlagen über Kleingärten. Die früheren Friedhofsakten verbleiben im Amt, da sie dort, bedingt durch entsprechende Nutzungsfristen für Gräber, immernoch in Gebrauch sind. Gleiches gilt für Graberwerbsunterlagen.

DIE FLENSBURGER FRIEDHÖFE UND DAS UMWELT- UND GRÜNAMT

Eine ausführliche Berichterstattung zur Arbeit des jetzigen Umwelt- und Grünamtes (früher Abteilung Begräbniswesen, Friedhofsamt, Garten- und Friedhofsamt, Amt für Grünanlagen) findet in den Verwaltungsberichten der Stadt Flensburg erst seit 1895 statt. Vorher beschränkte man sich auf die Übersicht über finanzielle Aufwendungen im Begräbniswesen, zumal die Angelegenheiten der Friedhöfe zu damaliger Zeit noch ausschließlich kirchliche Sache waren. Mit Beginn der Industrialisierung wuchs die Bevölkerung in den Städten, und die Kirchhöfe wurden zu klein. Man begann, Begräbnisplätze außerhalb der Stadtmauern einzurichten. Nachdem dies 1807 beschlossen wurde, entstand für Flensburg 1810 der "Neue Begräbnisplatz" zwischen den Gärten der Flensburger Kaufleute Stuhrs und Christiansen. Der damals "Neue Begräbnisplatz" trägt heute die Bezeichnung "Alter Friedhof" (= Alter Kirchhof = Friedhof an der Selckstraße) und bekommt zunehmend den Charakter einer parkartigen Grünanlage. Da auch auf diesem Friedhof der Platz stetig knapper wurde (1869/70) und eine Erweiterung nicht möglich war, beschloß man 1895 die allmähliche Schließung des Alten Kirchhofes, für den die Zahl der Begräbnisse fortan reduziert wurde. Seine endgültige Schließung sollte zum 01. Januar 1911 erfolgen, ließ sich aber nicht ganz durchsetzen, und ein Minimum an Bestattungen fand immernoch statt, die letzte 1953. Als neuer Begräbnisplatz wurde der Mühlenfriedhof an der Marienallee in direkter Nachbarschaft zum alten Kirchhof ab 1869 eingerichtet. Etwa 20 Jahre später wurde auch hier der Platz immer knapper, und man erstellte Pläne zur Erweiterung des Friedhofes. Trotz der erfolgten Erweiterungsmaßnahmen würde der Platz durch den anhaltenden Bevölkerungszuwachs auch hier nicht lange ausreichen. Daraus resultierte die Anlage des Friedhofes am Friedenshügel, der ab ca. 1908 eingerichtet wurde. Später (1937/38), als die Zahl der Feuerbestattungen stieg, baute man auf dem Friedhof am Friedenshügel ein Krematorium an die Kapelle an. Heute gibt es in Flensburg 4 Friedhöfe: drei städtische (Alter Friedhof, Mühlenfriedhof, Am Friedenshügel) und der Friedhof der Kirchengemeinde Adelby.
Mit Anlegung des Friedhofs am Friedenshügel verbunden, war die Ablösung der alten Friedhofsordnung von 1874 durch eine neue. Diese neue Friedhofsordnung legte den kommunalen Charakter der Flensburger Friedhöfe fest, die durch die Friedhofskommission verwaltet wurden. Die Friedhofskommission setze sich aus städtischen und kirchlichen Vertretern zusammen. Ein alleiniger städtischer Betrieb auf den Friedhöfen ließ sich vorerst nicht durchsetzen, die Grabpflege durfte nur die Friedhofsverwaltung selbst übernehmen oder es wurden selbständige Gärtner damit beauftragt.
Im Jahre 1910 wurde im Rathaus ein Friedhofsbüro für den Publikumsverkehr eingerichtet, in dem die Anmeldungen und Terminvergaben für Beerdigungen abgewickelt wurden. 1919 wurde von der sozialdemokratischen Fraktion der Vorschlag gemacht, das Bestattungswesen ganz zu kommunalisieren, dies ließ sich allerdings nicht durchsetzen. Man beschloß aber, diesen Plan im Auge zu behalten und eine spätere Realisierung anzustreben. Am 01. Oktober 1937 wurden das Gartenamt und das Friedhofsamt vereinigt, die Leitung des neuen Amtes wurde dem Friedhofsinspektor übertragen. Auch nach dem Krieg wurde diese Regelung beibehalten, ab 1959 stand das Garten- und Friedhofsamt dann unter Leitung eines Gartenbauoberinspektors.
1965 trat wiederum neue Friedhofsordnung in Kraft, ebenso eine Gebührenordnung und eine Betriebsordnung für die Feuerbestattungsanlage. Auch eine Entgeltsordnung für durch das Gartenamt geleistete Arbeiten wurde genehmigt. Das Stadtplanungsamt stellte ab 1966 in Zusammenarbeit mit dem Gartenamt einen Grünordnungsplan für die Stadt Flensburg auf.
Etwa Mitte der 1980er Jahre wurde das Garten- und Friedhofsamt in "Umwelt- und Grünamt" umbenannt. Dieses Amt umfaßt eine Verwaltungs- und eine technische Abteilung. Die Verwaltungsabteilung bearbeitet alle Verwaltungsangelegenheiten der Bereiche: Untere Naturschutzbehörde (inklusive Baumschutz), Park- und Gartenanlagen, Forsten, Friedhöfe, Kleingartenwesen, natürlich auch Personal, Haushalt und Kostenrechnung. Die technische Abteilung ist gleichzeitig Leitung der Unteren Naturschutzbehörde und erfüllt die Aufgaben des Landschaftsschutzes bei Baumaßnahmen: Mitwirkung bei der Bauleit- und Stadtentwicklungsplanung, Landschaftsplanung, Grünordnungsplanung, grundsätzliche Angelegenheiten der Landespflege und Fachplanung. Die untere Naturschutzbehörde befaßt sich vor allem mit dem Landschaftsschutz, den Naturdenkmalen, dem Biotop-, Arten- und Baumschutz etc. Auch für die Umweltberatung ist das Umwelt- und Grünamt neben einer Vielzahl weiterer einzelner Aufgaben zuständig. Angegliedert ist das Amt an den Fachbereich 4 "Umwelt und Planen".


1999 erfolgt eine Aufteilung dieses breit aufgestellten Umwelt- und Grünamtes in den Bereich Kommunales Grün, Forsten und Bestattungswesen im Fachbereich 5 Infrastruktur mit der Zu-ständigkeit des Infrastrukturausschusses als eher operativem Bereich und dem im Fachbereich 4 Umwelt und Planen verbleibenden Bereich Natur und Landschaftsschutz mit Umweltbera-tung in der Abteilung Bauordnung, Denkmal- und Naturschutz ohne eigene Abteilungsleitung und –status; wobei die ehemalige Umweltberatung sich aktuell in der Umweltplanung der Stadtentwicklung wiederfindet.
Der operative Bereich des Bestattungswesens, Friedhöfe und Krematorium, ging bei dessen Gründung zunächst in das Technische Betriebszentrum AÖR ein.
Die Forsten (administrativ), also der Förster, wechselt 2007 aus dem Natur- und Landschafts-schutz des Fachbereiches 4 in den optimierten Regiebetrieb Immobilien, der administrative Bereich Friedhöfe hat sich mit seinen operativen Teilen aus dem TBZ mit Beginn 2004 zur Flensburger Friedhöfe AÖR verselbständigt.
Die im Fachbereich 5 verbliebene Grünpflege gliedert sich in die Abteilung Verkehrslenkung, Straßenbetrieb und Grünunterhaltung ein.
Der Umwelt- und Grünbereich der Stadt Flensburg erfährt der gesamtgesellschaftlichen Ent-wicklung folgend einen Höhepunkt der Zusammenfassung der Kompetenzen und der Aus-stattung dieses Bereiches mit einer starken Ausrichtung auf politisch-ökologische Zusammen-hänge in der Zweiten Hälfte der 80er bis Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. Dies wird auch sichtbar an der Arbeitsgruppe Umweltschutz als Querschnittsversuch und deren Niedergang und der Bedeutung des einen zuständigen Fachausschusses, um dann zunehmend den Vorgaben der Bildung von Auftraggeber-/Auftragnehmerstrukturen zu folgen bzw. der Ausgliederung als AÖR. Damit ist der eigentlich klassische Ursprung dieses Bereiches, das Friedhofswesen, zumindest formaljuristisch nicht mehr unmittelbar städtisch sondern ausge-gliedert und eigenständig geworden.

Flensburg, im Februar 2007




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